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Quelle: http://phainomena.de/2010/03/29/print-is-not-dead

Print Is Not Dead

Just beautiful – Die Avantgarde der Papier-Magazine zelebriert die sinnlichen Qualitäten des Lesens

Von Manuel Schölles am 29. März 2010 ·  Marginalie

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Denselben Titel trägt ein kürzlich erschienener Artikel im amerikanischen Zeitgeist-Blog A Continuous Lean, in dem Michael Williams die neue Ausgabe des wunderbar-delikaten Pulp-Magazins Jacques vorstellt. Jacques ist nicht einfach nur die Arty-Variante unter den Erotik-Magazinen, sondern so etwas wie eine Oase und frische Quelle in der allgemeinen Ödnis des Mainstream-Pornos. Man könnte auch einfach sagen: Jacques hat Seele, es ist nicht obszön, it’s just beautiful.

Worauf es mir aber eigentlich ankommt: Jacques ist ohne Papier gar nicht vorstellbar. Die sinnliche Qualität der Cellulose findet im elektronischen Medium keinen Ersatz: der Geruch der Druckfarbe und des Papiers, das einzigartige Geräusch des Blätterns, das handschmeichelnd Griffige, und nicht zuletzt das Farb- und Formenspiel des Layouts, das sich auf Papier unvergleichlich besser entfaltet als in einem Browser-Fenster. Zudem das Individuell-Geschichtliche des Lesens: Das Buch- oder Zeitschriften-Exemplar des U-Bahn-Lesers wird anders zugerichtet als dasjenige des frisch gebackenen Vaters (Risse, Sabberflecken …) oder einer Innenarchitektin (im Sammelschuber).

Print is not dead – ich mußte wieder daran denken, als ich die aktuelle Ausgabe der Filmzeitschrift Cargo in den Händen hielt; Cargo gehört nicht nur hinsichtlich der Texte zu den besten Zeitschriften, die wir in Deutschland haben: Man fühlt, daß es sich um ein wertvolles Erzeugnis handelt. Und warum, so könnte man jetzt fragen, ist dann Phainómena keine Papier-Zeitschrift? – Nun, würde ich antworten, es kostet Geld, viel Geld, wie (fast) alle guten Dinge.

Daß Print noch lange nicht tot ist, zeigt überdies die Vielzahl spannender Neu-Erscheinungen auf dem Zeitschriftenmarkt, über die man sich bei Do you read me?! auf dem Laufenden halten kann. Papier-Journale sind in ungeahnter Weise zur ökologischen Nische für das Außergewöhnliche und Hochwertige geworden, während im Internet gerade das Billige und Mittelmäßige Konjunktur feiert. Im Bahnhofskiosk kann man jedenfalls erstaunliche Entdeckungen machen.

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