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Quelle: http://phainomena.de/2008/11/12/vom-allgemeinen-penisneid-zur-uterusveroedung/js/jquery.color-RGBa-patch.js

Vom allgemeinen Penisneid zur Uterusverödung

Warum es einer feministischen Zeitschrift so schwer fällt, Identifikationsmomente zu finden, die über den Kampf gegen die Herrschaft des Phallus hinausgehen

Von Ulrike Janovsky am 12. November 2008 ·  Rezension

Das neue Missy Magazine. Popkultur für Frauen hat mich schwer beeindruckt. Die mißlichen Versuche von Frauen unter dem Schlagwort »Feminismus« als Gleichberechtigte diese Welt zu beschreiten, haben ein neues (spexy) Sprachrohr gefunden. Lange habe ich nicht mehr eine solch rückschrittliche Zeitschrift in den Händen gehalten. Die erste Reaktion auf meine Lektüre war jenes Schuldgefühl, das ich gedachte durch regelmäßige Nietzschelektüren endlich zu verabschieden. Kein Entrinnen, wenn ich mich diesen Seiten aussetze. Ich habe mich als Frau, die sich nicht nur über das Feindbild »Mann« identifiziert, in keiner Rubrik wiederfinden können.

Rapperinnen – »schwarz, sexy, street – und«, was nicht fehlen darf: »offen lesbisch«, Graffiti-Writerin, Stricken und Stöckelschuh-Themen, Paris aus den Gilmore Girls, Kochen mit The L Word und ganz viele Mädchen, deren Genie, wären sie Jungs, längst anerkannt würde. Gott sei Dank, weiß ich jetzt, nach eingehender Lektüre, daß ich in Prenzlberg auch endlich das perfekte Masturbationsspielzeug kaufen kann. Klar – ist der Vibrator größer als der Penis meines Freundes! Er ist ja auch »Der Richtige«. Wenn es doch ein Mensch, eben der mit den männlichen Geschlechtsmerkmalen sein soll, dann nur ein »Indi-Boy« aus dem Jungsheft.

Das ist nur eine kleine Auswahl dessen, was mich als emanzipierte Frau auszeichnen soll. Wirklich beschämend ist allerdings die offensichtliche Ablehnung von Kindern. Nicht, daß ich damit sagen möchte, dieses Sprachorgan wäre grundsätzlich kinderfeindlich: Nein, das nicht. Die Autorinnen wären schon zufrieden, wenn erst gar keine auf die Welt kämen. Schließlich ist doch der Grund für die Qualen einer natürlichen Geburt, die es mit allen Mitteln zu verhindern gilt, bloß der Same des Mannes. Also, liebe Mütter, bitte schnell abstillen – oder wie es Christiane Rösinger etwas einfühlsamer formuliert: »Bettina, pack die Brüste ein« – die früheren Generationen, die vom Krankenbett der Mutter gleich ins Säuglingszimmer gekarrt und mit Kuhmilch versorgt wurden, »haben auch überlebt«. Diese Argumentationsstruktur kam mir bekannt vor und ich dachte an Kellerkinder und jene verlorenen Seelen, deren Eltern am »Ort der Wandlung« für den Weltfrieden kopuliert haben – nun, die sind doch auch groß geworden, oder? Und zum Thema Kinderaufklärung sei noch gesagt, liebe Eltern: »Kommt in die Puschen und erklärt eurem Nachwuchs, dass man gigantische Orgasmen haben kann, ohne Kinder zu zeugen.« Eine letzte Frage: Ab wann kann man sich eigentlich als Frau sterilisieren lassen? Ach, und benötige ich dann die Unterschrift meiner Eltern? – Danke, liebe Missy, für euer Verantwortungsgefühl!

Verweise: Missy 01/08

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